ARD - Reportage * Vertuschte Hundemorde * ausgestrahlt beim MDR

Diese Sendung hat Herrn Ergül nun wirklich entlarvt !

Hoffentlich wird Frau Muth dort nochmal nachhaken ! Peinliche Angelegenheit für die Türkei, gerade im Bezug auf ihre Eu- Anwartschaft kann sie sich das nicht erlauben, solche Gesetzesbrecher im Amt zu haben ! Na ja, andererseits wird gar behauptet, Herr Ergül würde sich ein Wochenendhaus im Naturschutzgebiet bauen ?!

 

Vertuschte Hundemorde


http://www.mdr.de/windrose/5798527.html

Manuskript des Beitrages vom 28.09.2008

von Birgit Muth

Vor vier Jahren trat das erste türkische Tierschutzgesetz in Kraft. Ungehört, so scheint es, vor allem in Istanbul. Streunende Straßenhunde sind hier ein Problem. Doch anstatt sich um sie zu kümmern, lassen Behörden die Hunde brutal töten. Eine ehemalige Tierheimmitarbeiterin klagt an.

Wilde Hunde am Stadtrand von Istanbul. Viele davon sollen vom naheliegenden Tierheim des Istanbuler Stadtteils Beykoz stammen. In diesem Waldgebiet sind sie ausgesetzt worden. Für sie gab es keinen Platz mehr im Heim. Die Hunde erkennen schon das Geräusch des heranfahrenden Autos von Berrin Olcay. Die Tierschützerin arbeitete noch bis vor vier Monaten in dem Tierheim Beykoz, bis sie entlassen wurde, weil ihre Neugier und Umtriebigkeit störte. Bis zu drei Mal in der Woche füttert sie rund 400 wilde Hunde in diesem Waldgebiet – auf eigene Kosten. Das Fleisch sammelt sie von Metzgern ein. Tierschützerin Berrin kümmert sich auch um die Impfung und Kastration dieser Straßenhunde.

Tierschützerin Berrin Olcay kümmert sich um ausgesetzte Hunde

O-Ton: Berrin Olcay, Tierschützerin

“Im Tierheim gab es früher 2.000 Hunde, momentan sind es nur noch 100. Die meisten wurden ausgesetzt, viele getötet.”

Wer von den ausgesetzten Hunden mit dem Leben davon kam, versucht hier in der Wildnis zu überleben. Oft ist ihr Zustand erbärmlich. Sie sind abgemagert und krank. Nur von weitem kann uns die Berrin das Tierheim zeigen, gegen das sie so schwere Vorwürfe erhebt. Das Heim soll den Tieren kein Zuhause bieten, sondern in erster Linie eine Tötungsanstalt sein. Von der Straße eingefangene Hunde sollen auf Anordnung der Stadtverwaltung gezielt getötet worden sein.

O-Ton: Berrin Olcay, Tierschützerin

“Die Stadtverwaltung hat das Tierheim übernommen, aber nicht um die Tiere zu versorgen, sondern um sie dort zu töten. Denn es gibt sehr viele Straßenhunde. Nachdem sie erst mal die Tiere auf der Straße umgebracht haben, sind dann die vom Tierheim an der Reihe.”

Die Tierschützerin findet das Schicksal der wilden Hunde aus Istanbul unerträglich. Aus Mitleid hat Berrin Olcay jetzt zuhause eine Art Tierheim eingerichtet. Ausgesetzte Hunde aus dem Tierheim, die ansonsten vergiftet oder erschossen worden wären, nimmt sie in ihrer Wohnung auf. Derzeit kümmert sich die Tierschützerin um zehn Hunde. Doch Berrin Olcay geht es um mehr. Sie will, dass endlich die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem hat sie Angst, dass noch mehr Hunde in dem Tierheim getötet werden. Für ihre Anschuldigungen hat sie zahlreiche Belege gesammelt.

O-Ton: Berrin Olcay, Tierschützerin

“Wir haben Hunde gefunden, die im Wald erschossen worden sind. Die ausgesetzten Tiere treibt der Hunger in die Dörfer. Und dann werden sie von den Dorfbewohnern erschossen. Das ist ja auch die eigentliche Absicht der Stadtverwaltung.”

Berrin Olcay hat diese Fotos gemacht, als sie selbst noch im Tierheim arbeitete. Manche Tiere wurden einfach in einen Mülleimer geworfen. Andere Tierschützer fotografierten die Massengräber im Waldgebiet von Beykoz.

O-Ton: Berrin Olcay, Tierschützerin

“Und wenn sie die Tiere schon mal sterilisieren, dann setzen sie sie mit offenen Wunden aus.”

Diese Belege wurden der Tierschützerin zugespielt. Die Dokumente der Stadtverwaltung ordnen die Tötung aller Straßenhunde von Beykoz an. Wir konfrontieren den Bürgermeister von Beykoz, Muharrem Ergül, mit diesen harten Vorwürfen. Nach einigem Zögern weist er jede Schuld von sich:

In Istanbul gibt es sehr viele Straßenhunde

O-Ton: Muharrem Ergül, Bürgermeister

“Schauen Sie, leere Vordrucke für alle möglichen Anordnungen gibt es in unserem Amt zuhauf. Ich weiß jetzt nicht, wer das ausgefüllt und unterzeichnet hat, aber es ist unmöglich, dass sich dieses Dokument auf uns bezieht. Die Stadtverwaltung von Beykoz beschäftigt keine Tötungsmannschaft.”

Wir fahren gemeinsam mit dem Bürgermeister in das Tierheim, in dem wir uns am Tag zuvor heimlich und ohne Kamera umgesehen hatten. Alles Verdächtige ist beseitigt worden. Die kranken Tiere vom Vortag sind nicht mehr zu sehen.

O-Ton: Muharrem Ergül, Bürgermeister

“Schauen Sie her, ich bitte Sie, schauen Sie sich unsere Gehege an. Zu den Vorwürfen finde ich einfach keine Worte; wo sollen hier Hunde getötet werden? Hier sind unsere Tiere. Und wir sind doch alle zusammen quasi unangemeldet hierher gekommen, oder nicht?”

Abgesehen vom nicht aufgeklärten Schicksal der vielen verschwundenen Hunde aus Istanbuls Straßen, gibt es jetzt noch ein ganz anderes Problem: Seit einigen Tagen besteht Tollwutgefahr im Wohngebiet Beylikdüzü. Der Bezirk wurde jetzt für sechs Monate unter Quarantäne gestellt. Ein tollwütiger Hund hatte fünf Kinder angegriffen. Die wilden Hunde gehören zu Istanbul. Ob rund um den Galata-Turm oder auf den bekannten Einkaufsstraßen. Die Stadt müsste sich aber Gedanken machen, wie sie damit umgeht. Denn das willkürliche Töten ist ebenso keine Lösung wie das Herumstreunen einer wachsenden Zahl von ungeimpften und verwahrlosten Hunden.